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Glyphosat in Landwirtschaft, Wasser und Umwelt – gefährliches Gift oder übertriebene Panik?

Im März 2015 rückte das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat in den Fokus der Öffentlichkeit. Denn damals hatte die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) mit der Aussage für Aufsehen gesorgt, dass das weltweit am häufigsten eingesetzte Pflanzenschutzmittel Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend für Menschen“ sei.

Landwirtschaftliches Fahrzeug bringt Glyphosat auf einem Feld aus.Das Pestizid Glyphosat wird in Deutschland großflächig angewendet.Lange Zeit war daher umstritten, ob die Zulassung für Glyphosat verlängert werden soll. Am 29. Juni 2016 beschloss die EU-Kommission, das Mittel für bis zu 18 weitere Monate zuzulassen, weil sich die EU-Staaten nicht auf eine Entscheidung einigen konnten. Diese Zulassung läuft zum Jahresende 2017 aus. Bis dahin sollen die EU-Staaten erneut den Versuch unternehmen, eine Einigung herbeizuführen.

Grundlage für diese Einigung soll in erster Linie eine neue Untersuchung der Europäischen Chemikalienagentur ECHA sein. ECHA hat das Unkrautvernichtungsmittel – auch Herbizid genannt – untersucht und Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft. Denn die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, so ECHA, ließen es nicht zu, Glyphosat als karzinogen, also krebserzeugend zu bewerten. Dies teilte die Chemikalienagentur im März 2017 in Helsinki mit. Unstrittig sei jedoch, dass das Pestizid bei Kontakt Augenschäden verursachen könne. Außerdem sei Glyphosat im Wasser schädlich für Wasserorganismen und wirke sich negativ auf die Artenvielfalt aus.

1. Warum gibt es so widersprüchliche Studien zur Krebsgefahr?

Ob Glyphosat die Krebsgefahr erhöht oder nicht, wird dennoch weiter heiß diskutiert. Während die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC), die zur WHO gehört, das Mittel als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hat, kam eine andere WHO-Untersuchung der Arbeitsgruppe „Joint Meeting on Pesticide Residues“ (JMPR) zu dem Ergebnis, dass Glyphosat keine Gesundheitsgefahr für den Verbraucher darstellt. „Auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung kommt nach Prüfung aller bislang vorliegenden Studien, Dokumente und Veröffentlichungen zu dem Ergebnis, dass bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Glyphosat kein krebserzeugendes Risiko für den Menschen zu erwarten ist“, sagt Susanne Bose, staatlich geprüfte Diplom-Lebensmittelchemikerin beim ifp Institut für Produktqualität in Berlin. „Zur Versachlichung der Diskussion ist es übrigens hilfreich, sich weitere Einschätzungen der IARC anzusehen. Während die Krebsforschungsagentur Glyphosat als ‚wahrscheinlich krebserregend‘ einstuft, beurteilt sie beispielsweise Alkohol oder Wurst als ‚sicher krebserregend‘. Dennoch gibt es für diese Lebensmittel kein Verkaufsverbot.“

Im März 2017 hat schließlich auch die europäische Chemikalienagentur ECHA mitgeteilt, dass Glyphosat nicht als krebserregend anzusehen sei. Die unterschiedlichen Studienergebnisse der verschiedenen Behörden kommen zustande, da diese konträre wissenschaftliche Herangehensweisen haben. So betrachtet die IARC allein den reinen Stoff an sich, während zum Beispiel das BfR die realistische Exposition der Verbraucher, also die Aufnahme angesichts der zu erwartenden Konzentrationen und Verzehrsmengen von Lebensmitteln berücksichtigt.

Zeitgleich mit der Einschätzung der ECHA kamen jedoch in den USA erneut Vorwürfe gegen den amerikanischen Agrarkonzern Monsanto auf, der Glyphosat entwickelt hat. Das Unternehmen mit Sitz in St. Louis ist bis heute einer der größten Glyphosat-Produzenten und hat gleichzeitig auch die meisten Studien in Auftrag gegeben, die für eine Zulassung des Herbizids benötigt werden. Im März 2017 veröffentlichte die New York Times Berichte darüber, denen zufolge Monsanto an Studien mitgearbeitet haben soll, die später als Arbeiten unabhängiger Wissenschaftler publiziert worden seien.

2. Was ist eigentlich Glyphosat?

Glyphosat ist der Hauptbestandteil vieler Unkrautvernichtungsmittel. Bereits seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre wird es in Landwirtschaft, Gartenbau, Industrie und Privathaushalten eingesetzt. Glyphosat wirkt unselektiv gegen Pflanzen, das heißt, es entfaltet seine Wirkung auf alle Pflanzen – es sei denn, sie wurden gentechnisch verändert und weisen dadurch eine Resistenz gegen Glyphosat auf. Besteht keine Resistenz, tötet Glyphosat jede Pflanze auf gespritzten Feldern ab.

Das erste Glyphosat-haltige Herbizid kam 1974 unter dem Namen „Roundup“ auf den Markt, ein Produkt des Agrarkonzerns Monsanto. Mittlerweile wird Glyphosat in hunderten von Pflanzenschutzmitteln unter unterschiedlichen Handelsnamen weltweit vertrieben. In Europa sind derzeit mehr als 300 verschiedene Glyphosat-haltige Herbizide von über 40 Herstellern auf dem Markt. In Europa kommen Unkrautvernichtungsmittel vor allem in der Landwirtschaft zum Einsatz, beispielsweise, um Unkraut vor oder nach dem Anbau von Raps, Sonnenblumen, Mais oder Zuckerrüben sowie in Obst- oder Weinanlagen zu bekämpfen. Einige Länder, darunter auch Deutschland, setzen Glyphosat-haltige Herbizide auf rund einem Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche ein.

Glyphosat blockiert einen zentralen Stoffwechselweg in der Pflanzenzelle, der essentiell für das Pflanzenwachstum ist. Dieser Stoffwechselweg kommt bei allen Pflanzen, aber nicht bei Tieren vor. Daher sind Glyphosat-haltige Unkrautvernichtungsmittel gegen viele unterschiedliche Unkrautarten wirksam, sollen jedoch nur eine geringe Giftwirkung gegenüber Tieren aufweisen.

3. Wie und wo wird Glyphosat angewendet?

In der Regel werden Glyphosat-haltige Herbizide verdünnt und dann direkt auf die Unkräuter gesprüht. So werden sie schnell von den Pflanzen aufgenommen. In Deutschland wird Glyphosat auf rund 40 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen angewendet. Jedes Jahr werden die Felder dabei mit bis zu 5.000 Tonnen des Herbizids besprüht, vor allem Felder mit Raps, Zuckerrüben, Wintergerste und -weizen sowie Obstanbauflächen. In Europa werden außerdem Weinberge, Olivenhaine, Zitrusfrucht- und Nussplantagen mit Glyphosat-haltigen Produkten behandelt. Schätzungen zufolge kommen weltweit jährlich 2,5 Millionen Tonnen Pflanzenschutzmittel zum Einsatz.

Herbizide werden hauptsächlich nach der Ernte verwendet. So werden die Stoppelfelder von Unkraut befreit, bevor die nächste Aussaat, beispielsweise von Winterfeldfrüchten, beginnt. Eine weitere Unkrautbekämpfung vor der Aussaat ist nicht mehr notwendig. In Europa wird diese so genannte Nacherntebehandlung bei fast allen Kulturpflanzenarten angewendet.

Lebensmittelchemikerin Susanne Bose weiß, weshalb Glyphosat so beliebt bei den Landwirten ist. „Glyphosat vernichtet zuverlässig alle Unkräuter, ohne dabei die Anbaukulturen selbst zu schädigen. So wird mühsames Pflügen und Eggen zur Freihaltung der Böden erspart, was die Böden zusätzlich vor Erosion und Austrocknung schützt. Zudem wird beim Einsatz kurz vor der Ernte die Reife der Anbauprodukte beschleunigt und somit eine frühere Ernte ermöglicht.“

4. Das EU-Verfahren zur Neuzulassung von Glyphosat

Die Uneinigkeit über die möglichen Risiken von Glyphosat hat bereits in der Vergangenheit dazu geführt, dass sich die EU-Staaten nicht darüber einigen konnten, ob das Mittel weiter eingesetzt werden darf oder nicht. Im zuständigen EU-Gremium stimmten von den 28 Mitgliedsländern 19 für eine weitere Zulassung von Glyphosat, sieben Staaten enthielten sich. Frankreich und Malta waren gegen die Zulassung, Deutschland war eines der Länder, das sich in Brüssel der Stimme enthielt, da sich auch die Bundesregierung in der Glyphosat-Frage uneinig war. Aufgrund des geteilten Ergebnisses entschied die Europäische Kommission, Glyphosat zunächst nur eine vorläufige Zulassung mit einer Laufzeit von bis zu 18 Monaten zu erteilen. Diese läuft Ende 2017 aus.
Sollte das Unkrautvernichtungsmittel aber noch vor Ende des Jahres erneut europaweit zugelassen werden, können die einzelnen Länder die Verwendung von Glyphosat im eigenen Staatsgebiet verbieten. Ob Glyphosat in Deutschland weiter erlaubt sein könnte, hängt daher auch vom Ergebnis der anstehenden Bundestagswahl ab. Fachleute für Pflanzenschutzmittel haben jedoch bereits vor einem Verbot von Glyphosat gewarnt, da sonst andere Mittel zum Einsatz kommen könnten, die bedenklicher seien als Glyphosat.

5. Geht Glyphosat in die Muttermilch über?

Im Zuge der Diskussionen über Glyphosat geriet auch die Frage in den Fokus, ob Rückstände des Pestizids möglicherweise in die Muttermilch übergehen und so einen Schaden bei Säuglingen anrichten können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das im Auftrag der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) tätig ist, sieht hier jedoch keine Problematik. Zwar wurden bei einer stichprobenmäßigen Untersuchung im Auftrag der Partei Die Grünen laut deren Angaben bei allen 16 Muttermilchproben Rückstände von Glyphosat gefunden. Das BfR und die Nationale Stillkommission kamen jedoch zu dem Schluss, dass die gemessenen Werte von bis zu 0,43 Nanogramm pro Milliliter gesundheitlich unbedenklich seien. Diese Werte würden bei Neugeborenen zu einer Glyphosat-Aufnahme führen, die um mehr als das 4000-fache niedriger sei, als der in der EU geltende Richtwert. Daher sei keine Gesundheitsgefahr zu erwarten.

In einer weiteren Studie, die das BfR in Auftrag gegeben hatte, wurden 114 Muttermilchproben aus Niedersachsen und Bayern untersucht. Dabei wurden hingegen keine Glyphosat-Rückstände gefunden. Das BfR geht nach den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen davon aus, dass aufgrund der physikalisch-chemischen Eigenschaften von Glyphosat keine Anreicherung im Fettgewebe stattfindet, durch die das Mittel in die Muttermilch übergehen könnte. Daher rät das Institut, dass Mütter sich nicht verunsichern lassen und wie bisher stillen sollten.

6. Kontroversen um Glyphosat in Bier und Urin

Auch über Glyphosat-Rückstände in Bier und Urin wurde heiß diskutiert. Im Frühjahr 2013 gaben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Friends of the Earth eine Studie in Auftrag, bei der 182 Urinproben aus 18 europäischen Ländern auf Glyphosat und das Abbauprodukt Aminomethylphosphonsäure (AMPA) untersucht wurden. Zwar wurde in 44 Prozent der Proben Glyphosat nachgewiesen, die gemessene Konzentration lag aber laut dem BfR „weit unterhalb eines gesundheitlich bedenklichen Bereichs“. In einem 2015 von BfR-Wissenschaftlern veröffentlichten Bericht wurden sieben Studien aus den USA und Europa analysiert, bei denen Glyphosat im Urin gefunden wurde. Auch hier kamen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass keine Gesundheitsgefährdung vorliegt.

Anfang 2016 wurden Medienberichten zufolge außerdem 14 Biersorten auf Glyphosat-Rückstände untersucht. Legt man die höchsten in den Medien veröffentlichten Werte zugrunde, müsste man laut dem BfR täglich 1.000 Liter Bier trinken, um den toxikologischen Grenzwert zu erreichen. Die immer besseren Analysemöglichkeiten führen laut dem BfR dazu, dass Stoffe inzwischen fast überall in winzigen Konzentrationen nachweisbar sind. Deshalb sei das Vorhandensein eines Stoffes „noch kein Zeichen für eine gesundheitliche Gefährdung“. Zudem sei im Falle von Bier das eigentliche Gesundheitsrisiko übersehen worden. Schließlich sei Alkohol bereits in viel kleineren Mengen krebserregend, könne die Fruchtbarkeit beeinflussen und Fehlbildungen bei Embryos hervorrufen.

7. Glyphosat als Gefahr für die Natur

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist davon überzeugt, dass Glyphosat maßgeblich zum Artensterben in der Agrarlandschaft beiträgt. Da das Herbizid alle Pflanzen auf einem gespritzten Feld abtöte, die nicht entsprechend gentechnisch verändert wurden, seien die Auswirkungen von Glyphosat auf die Ackerflora und -fauna groß: Schließlich gebe es durch weniger Wildpflanzen auf und neben den Ackerflächen auch weniger Lebensraum für Insekten. Und diese sind die Hauptnahrung für andere Tiere wie Vögel. Laut dem BUND nimmt die biologische Vielfalt durch den Einsatz von Glyphosat ab. Zu diesem Schluss kam auch die Europäische Chemikalienagentur ECHA.

Zudem gilt Glyphosat als Wasserschadstoff. Das Pestizid wird durch den Regen von den Pflanzen abgewaschen und gelangt so ins Grundwasser, in Flüsse und Seen. Dort gefährdet es Wasserlebewesen wie Amphibien. Bei ihnen wird die Embryonalentwicklung gestört, viele Kaulquappen sterben. Wie der BUND Brandenburg mitteilt, wurden in Gewässern, die direkt neben Äckern liegen, sowohl Glyphosat als auch das Abbauprodukt AMPA nachgewiesen. Beides gilt als gewässerschädlich. Auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) stuft Glyphosat als „giftig für Wasserorganismen“ ein. Dem BVL zufolge kann Glyphosat „in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben“. Deshalb darf das Mittel laut dem Zulassungsbericht des BVL gar nicht ins Wasser gelangen.

8. Die Abbau- und Begleitstoffe von Glyphosat: AMPA und Tallowamin

Glyphosat gelangt aber nicht nur über den Regen ins Wasser. Auch im Boden bindet sich das Herbizid an Mikro¬partikel. Dort bildet sich das Abbauprodukt AMPA (Aminomethylphosphonsäure), welches wesentlich stabiler ist als Glyphosat selbst und daher deutlich langsamer abgebaut wird. So kann sich AMPA im Boden anreichern. Als besonders problematisch schätzt der Deutsche Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung e.V. den Hilfsstoff Tallowamin ein. Dabei handelt es sich um ein Mittel, das die Glyphosat-Aufnahme durch die Pflanze fördert. Tallowamin darf in der Vorerntebehandlung inzwischen nur noch in begrenztem Umfang eingesetzt werden. So darf mit Tallowamin behandeltes Getreide weder an Nutztiere verfüttert noch als Einstreu verwendet werden. Für den menschlichen Verzehr gibt es hingegen keine Beschränkungen. Grenzwerte bestehen jedoch für Glyphosat-Abbauprodukte und Glyphosat im Trinkwasser.

Trotz dieser Hilfsstoffe ist Lebensmittelchemikerin Susanne Bose davon überzeugt, dass Glyphosat im Grundwasser keine Gefahr darstellt. „Gelegentlich werden Spuren des Wirkstoffes im Grundwasser gemessen“, so Bose. „Bisher gibt es im Rahmen der europäischen Grundwasser-Überwachungsprogramme aber keine Hinweise auf eine bestätigte und dauerhafte Belastung des Grundwassers mit Glyphosat oder AMPA.“

9. Aktivkohle: eine Möglichkeit, Pestizide im Trinkwasser zu reduzieren

Obwohl Glyphosat eigentlich gar nicht ins Wasser gelangen dürfte, wurde es bereits in kommunalen Kläranlagen nachgewiesen, auch in Deutschland. Denn selbst bei sachgemäßer Verwendung des Pestizids können gelegentlich Rückstände ins Grund- und Trinkwasser gelangen. Da auch die Klärwerke – je nach technischer Ausstattung – nicht unbedingt alle Pestizidwirkstoffe aus dem Wasser herausfiltern können, kann es sein, dass Rückstände von Glyphosat, aber auch anderen, stabileren Pestiziden im Trinkwasser verbleiben. Um diese Rückstände zu entfernen, können Wasserversorger Aktivkohle einsetzen. Aktivkohle besitzt eine riesige Oberfläche. Vier Gramm davon haben eine Oberfläche, die so groß ist wie ein Fußballfeld. Jedes „Körnchen“ der feinporigen Kohle arbeitet ähnlich wie ein Schwamm. Dadurch werden diejenigen Stoffe, die nicht ins Wasser gehören, von der Aktivkohle aufgenommen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Adsorption. Die aufgenommenen Stoffe sinken mit der Aktivkohle im Wasser nach unten – und werden dann vom Boden entfernt. Anschließend kann das Wasser problemlos für die weitere Trinkwasseraufbereitung verwendet werden. Aktivkohle bindet übrigens nicht nur Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, sondern auch von Medikamenten. Damit ist Aktivkohle eine gute Möglichkeit, um Glyphosat und dessen Abbauprodukt AMPA, aber auch andere Pestizide im Trinkwasser wenn nicht restlos zu eliminieren, so doch wenigstens deutlich zu reduzieren.

10. Grenzwerte für Glyphosat im Trinkwasser

Mit der deutschen Trinkwasserverordnung soll die Qualität des Wassers geschützt und verbessert werden. Grundlage sind das deutsche Infektionsschutz-Gesetz und die EG-Trinkwasserrichtlinie. In der Trinkwasserverordnung sind für unterschiedliche gefährliche Stoffe Grenzwerte festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen. Zu diesen Stoffen gehören neben Schwermetallen oder Bakterien auch Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat. Laut Verordnung darf die Konzentration von Glyphosat im Trinkwasser bzw. von giftigen Glyphosat-Abbauprodukten den vorgeschriebenen Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/l) nicht überschreiten. Zudem darf der Gesamtgehalt von Mehrfachrückständen – Mischbefunde, bei denen verschiedene Pestizide gefunden werden – nicht höher sein als 0,5 Mikrogramm pro Liter.

„An Trinkwasser stellt der Gesetzgeber höchste Anforderungen. Daher wird die Trinkwasserqualität regelmäßig durch die Wasserwerke geprüft, sodass Verunreinigungen im Trinkwasserkreislauf jederzeit rechtzeitig erkannt und beseitigt werden können“, erklärt Susanne Bose. „Selbstverständlich wird dabei auch auf Pflanzenschutzmittelrückstände getestet. Die Analysendaten der Wasserwerke können auf den jeweiligen Webseiten eingesehen werden.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich ganz konkret mit den gesundheitlichen Folgen von Glyphosat im Wasser beschäftigt. 2011 hat die WHO die vierte Auflage der Leitlinien zur Trinkwasserqualität veröffentlicht. Den Leitlinien zufolge liegen die Rückstandsgehalte von Glyphosat im Trinkwasser weit unterhalb von gesundheitlich bedenklichen Werten. Dennoch – Spuren von Glyphosat im Wasser werden immer wieder nachgewiesen, speziell in Oberflächenwasser und Brunnen. Viele Verbraucher sind davon verunsichert und beauftragen professionelle Wasserlabore, um sich ein eigenes Bild von der Pestizidbelastung zu machen.

11. Wie kann man als Verbraucher auf Glyphosat im Wasser testen lassen?

Normalerweise können sich die Verbraucher zwar darauf verlassen, dass der geltende Grenzwert von Glyphosat im Trinkwasser nicht überschritten wird. Denn die Trinkwasserversorger gewährleisten bei der Wasseraufbereitung die Einhaltung aller in der Trinkwasserverordnung vorgeschriebenen Grenzwerte. Doch nicht alle Aufbereitungsmethoden sind gleichermaßen effektiv. Entsprechend haben manche Wasserwerke – je nach technischer Ausstattung – Probleme, alle Rückstände von Pestiziden im Wasser zu entfernen.

„In unserem Labor untersuchen wir immer wieder auch Wasserproben von Verbrauchern auf Pestizidrückstände“, sagt Susanne Bose vom ifp Institut für Produktqualität. „Dabei hat sich gezeigt, dass rund acht Prozent der Proben auswertbare Spuren von Pflanzenschutzmitteln enthielten. In etwa der Hälfte der Fälle handelte es sich um Glyphosat beziehungsweise dessen Abbauprodukt AMPA. In der Regel waren dies jedoch meist Wasserproben aus Brunnen oder Bächen.“

Wer unsicher ist, ob sich in den eigenen Wasserleitungen zu viel Glyphosat im Trinkwasser befindet, kann zur Eigenkontrolle einen entsprechende Test auf Pestizide im Wasser durchführen lassen. Die meisten Labore bieten sogenannte Multimethoden an, mit denen sich neben Glyphosat auch hunderte weitere Pestizide nachweisen lassen.